|
Arbeiten wir den, nur kurz umrissenen Anforderungskatalog von hinten nach vorne ab. Mit dem Ingenieurbüro Battefeld wurde ein Unternehmen gefunden, was seit nahezu 30 Jahren auf
dem Gebiet der Netz- und Leitungsdokumentation arbeitet und dieses Geschäft seit Mitte der 80’er Jahre auf der Basis von AutoCAD betreibt. Schnell erkannte das innovative Unternehmen die Chancen, aber auch Grenzen dieser
Software. Auf der Haben-Seite standen ausgereifte Funktionen der rechnergestützten Zeichnungserstellung, eine bereits damals weite Verbreitung als CAD-System und die damit verbundene Wirtschaftlichkeit.
Die Netzdokumentation stellt allerdings noch viel mehr Anforderungen. Zunächst galt es Funktionen der vermessungsgerechten Planbearbeitung zu implementieren. Angefangen beim
Datenaustausch mit registrierenden Messgeräten, über viele Funktionen der geodätisch exakten Transformationen und Kartierung bis hin zu „Kleinigkeiten“, wie beispielsweise der Orthogonalbemaßung mit Rechtwinkelzeichen
und einem doppelt unterstrichenen Endmaß. Um nun aber aus solchen vorschriftsgerechten CAD-Zeichnungen auch ein GIS zu machen das seinen Namen verdient, galt es die Sachinformationen mit der graphischen Darstellung zu
verknüpfen. Beides, Graphik- und Sachdaten, wurde in einer relationalen Datenbank integriert. Dabei handelte es sich um weit mehr, als nur den Verweis graphischer Elemente auf die Datenbank und umgekehrt. „Intelligente“
Objekte entstanden, mit konfigurierbaren Eigenschaften und Funktionen. AutoGIS war geboren. Und das bereits 1986!
Diese Integration führte zu einer Reihe von bedeutenden Effekten. Da ist zunächst die Datensicherheit. Auf Grund der transaktionsbasierten Arbeitsweise garantiert AutoGIS zu
jedem (!) Zeitpunkt die Homogenität und Konsistenz des gesamten Datenbestandes. Selbst bei Systemausfällen bleibt ohne vorheriges Zwischenspeichern alles erhalten, was bis dahin bearbeitet wurde. Der Anwender zeichnet und
beschriftet quasi direkt in die Datenbank. Wenn man es so will, dient AutoCAD eigentlich „nur“ der Visualisierung von Datenbankinhalten und stellt ausgereifte Zeichnungsfunktionalitäten zur Verfügung.
Ebenfalls aus der Datenintegration abgeleitet ist ein breites Spektrum an verfügbaren, oder auch kurzfristig zu generierenden Schnittstellen. Nahezu beliebige
Datenbankauswertungen können Anfragen über die Betriebsmittel der Netze liefern. Dank einer strengen Topologiekontrolle bereits bei der Datenerfassung, bedient AutoGIS neben solchen kaufmännischen Lösungen auch Systeme zur
Netzberechnung und Netzbewertung. Dass Datenformate wie DWG, DGN, DXF, TIF und so weiter verfügbar sind, wird als Selbstverständlichkeit nur am Rande erwähnt.
Die Aufgabenrealisierung
In der zweiten Hälfte der 90’er Jahre bewogen diese und weitere Faktoren, wie beispielsweise eine attraktive Preisgestaltung, die Stadtwerke Kempen zur Einführung von
AutoGIS. Begonnen wurde mit einer AutoGIS-Vollversion und Anwenderschalen für alle Medien (Gas, Strom, Wasser und Fernwärme). Während sich in den Stadtwerken die GIS-Lösung noch in einer ersten Aufbauphase befand, wurde vom
Ingenieurbüro Battefeld bereits ein großer Teil der Netzdaten erfasst.
Dass der Schritt nicht nur von den damals wenigen Enthusiasten, sondern mittlerweile auch von den anderen Kollegen befürwortet wird, zeigt sich in den mittlerweile 4
installierten Vollversionen und 10 Auskunftsarbeitsplätzen.
Die AutoGIS-Vollversionen bietet auf der Grundlage von Autodesk MAP alle Möglichkeiten zur Fortführung der Datenbestände. Natürlich setzt sie eine dementsprechende
Qualifikation der Mitarbeiter und den laufenden Umgang damit voraus. Andere Kollegen, beispielweise die Netzmeister, benötigen nur einen lesenden Zugriff auf die Daten mittels des Auskunftssystems. Es erfordert kein AutoCAD
und hat eine sehr einfache Oberfläche zur Datenabfrage.
Auch heute steht in Kempen die Dokumentation der Netze im Mittelpunkt der GIS-Anwendung. Die mit den Jahren gewachsene Datenbasis einerseits und die Weiterentwicklung von AutoGIS
auf der anderen Seite erlauben darüber hinaus eine ganze Reihe weiterer Anwendungen. Sie reichen von einfachen statistischen Auswertungen, beispielsweise zur Bewertung der Altersstruktur von Betriebsmitteln, über die
Verwaltung der Anlagenverantwortlichen von Mittelspannungsstationen bis hin zum Datenabgleich mit der Anlagenbuchhaltung oder der Verwaltung der Gestattungsverträge.
Zum Zweck der Berechnung stehen die Netzinformationen entsprechenden Softwarelösungen wie STANET oder NEPLAN zur Verfügung. Das hat zur Folge eine signifikante Verringerung des
Aufwands zur Folge, weil diese Daten nur an einer Stelle, nämlich im AutoGIS, gepflegt werden müssen.
Fazit
Im Verlauf der letzten 5 Jahre wurde in den Stadtwerken Kempen GmbH eine GIS-Lösung aufgebaut, die den Erwartungen der Anwender heute und auch in Zukunft gerecht wird. Möglich
wurde das vor allem durch eine konstruktive und partnerschaftliche Zusammenarbeit von Auftraggeber und Auftragnehmer. Genau die Kooperation mit den Kollegen aus Kempen und anderen AutoGIS-Anwendern ist auch die Basis der
ständigen Weiterentwicklung der Software.
Erst die betrieblichen Aufgaben waren es, die zur Entwicklung spezieller Funktionen geführt haben und dies auch weiterhin bewirken. So werden beispielsweise in absehbarer Zeit
aus den Bestandsdaten auch Schaltschemata abgeleitet (ohne Datenredundanzen!), oder das mobile AutoGIS-Auskunftssystem mit GPS gekoppelt.
|